Wer nach einem Friedenseinsatz aus einem Krisengebiet zurückkehrt, besitzt oft ein ausgeprägtes Mitteilungsbedürfnis: Nicht nur die Autorin von "Friedensarbeit in El Salvador" werden ihre Erlebnisse und Eindrücke niemals loslassen. Darüber zu sprechen, ist eine natürliche Form der Verarbeitung und ohne jeden Zweifel Grund genug, ein Buch zu schreiben. Allein noch kein Rezept für ein Gelungenes.
Ein gewisser wissenschaftlicher Anspruch des Werkes wird zwar schon zu Beginn als uneinlösbar dargestellt, gleichwohl aber durch einen umfangreichen Theorieteil untermauert. Doch kristallisiert sich darin weder eine Leitfrage heraus, der anschliessend nachgespürt werden könnte, noch wird eine Theorie herausgearbeitet, um sie an der Realität El Salvadors zu messen. Reihenweise werden Begriffe aus der Friedensforschung zitiert, Theorien angetippt, doch ergeben sie eher ein allgemeines Selbstgespräch über Krieg und Frieden, als einen Rahmen für den Rest des Buches.
Wenn es Sie berührt, dass hier jemand noch fast verzweifeln kann und dennoch hoffen will, so werden Sie sich diese Gedanken vielleicht zu Gemüte führen wollen. Sonst können Sie nach Prolog und Einleitung getrost auf Seite 71 weiterfahren. Hier beginnt die Geschichte des zentralamerikanischen Landes. Sie soll vor allem die Wurzeln des Krieges und des bis heute fortbestehenden Unrechts erklären. Gewiss etwas selektiv, eben auf dieses Ziel zugeschnitten, lesefreundlich, ohne enzyklopädische Fakten- und Zahlenreihen aber in vernünftiger Ausführlichkeit gehalten, erfüllt sie ihren Zweck. Die Schilderung des Krieges selbst und des anschliessenden Friedensprozesses sowie der Rolle der internationalen Gemeinschaft dabei schliessen nahtlos an. Einzelne Einschätzungen mögen diskutabel sein, reflektieren aber gewiss, was die Autorin vor Ort mitbekommen hat.
Schnitt. Als Nächstes werden Geschichte und Grundprinzipien von Peace Brigades International (PBI) dargelegt. Wer mit der Organisation vertraut ist, erfährt nichts Neues. Als Hintergrund, zur Erläuterung des Rahmens für den eigenen Einsatz wäre ein Bruchteil gut genug. Doch die Friedensbrigadistin beweist, dass sie bei den Vorbereitungskursen aufgepasst und aus den zitierten PBI-Publikationen seriös abgeschrieben hat.
Jetzt endlich könnte Daniela Ingruber erzählen: Mein Einsatz heisst die Überschrift zu einigen Abschnitten am Ende des PBI-Kapitels. Schade: Hier, wo es authentisch wird, ist das Persönliche durch die knappe, fast stichwortartige Darstellung zurückgedrängt. In den folgenden Kapiteln kommt es dann doch zum Tragen: Hier, wo es um Flüchtlingsschicksale oder um die Schwierigkeiten der Wahlbeobachtung (die sie in einem späteren Einsatz erlebt hat) geht, kann die Autorin voll aus ihrem reichen Erfahrungsschatz schöpfen.
Der Vorsatz, an diesen Beispielen die unterschiedlichen Ansätze und Herangehensweisen staatlicher Organisationen, der UNO sowie gewaltfrei agieren- der NGO bei ihrer Arbeit darzustellen, wird zwar höchstens ansatzweise ausgeführt, dennoch ist hier viel über die Arbeit dieser Organisationen zu erfahren, ebenso wie über den Alltag gewaltfreier Friedenseinsätze und über die Gedanken, die eineN womöglich noch Jahre später beschäftigen werden. Auch ein missglücktes Werk kann allerhand Lesenswertes enthalten.
(pida)Nachdem die Signale des unabhängigen Fernsehsenders "Studio B" bereits seit Monaten gestört werden, wurde nun wichtiges technisches Übermittlungsmaterial des Senders auf dem Berg Kosmai gestohlen. Über 2 Millionen BelgraderInnen können nun also Studio B nicht mehr empfangen, etwas was dem Belgrader Regime nur recht ist. Denn Studio B hatte soeben begonnen, die Plattformen oppositioneller Parteien zu senden. So liegt die Vermutung auf der Hand, dass die serbische Regierung hinter dieser Sabotage am beliebtesten nicht-regimetreuen Fernseh-Kanal steckt.
Daniela Ingruber: Friedensarbeit in El Salvador Eine kritische Bestandesaufnahme. Brandes & Apsel, Frankfurt / Südwind, Wien, 1999. 210 Seiten, SFr. 33..
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