Armee-Ausstellung: Werbung wofür?

Hitzige Diskussionen löste dies Jahr das Mustermesse-Plakat mit der nackten, hochschwangeren Frau aus, welches mit dem Slogan ´Die Mutter aller Messenª warb. Die wunderschöne Fotografie, welche etwas vom Wertvollsten im Leben einer Frau zum Ausdruck bringt, wurde schnöde für reine kommerzielle Werbung an die Plakatsäulen gehängt. Das kennzeichnet die schonungslose Vereinnahmung aller menschlichen Werte für banales Konsum-Marketing.

Die Wehrschau des Departementes für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport zog grosses BesucherInneninteresse auf sich. Die Schlussfolgerung von Messedirektor Böhni: ´Dank dem Magnet Wehrschau kamen auch Berner nach Basel und der Rückgang der Besucherzahlen konnte in Grenzen gehalten werden.ª

Mit einem Budget von 5 Millionen Franken war auf mehr als 5000 m2 Hallenfläche eine publikumswirksame Präsentation der heutigen militärischen Tätigkeit aufgebaut worden. Neben einem F/A-18, dem Lieblingsspielzeug der Fliegeroffi-ziere, einem Panzer und einem Superpuma, welche unausgesprochen für einen nächsten Rüstungsbeschaffungskredit warben, konnten sich die BesucherInnen über die Modernität unserer hochgerüsteten Armee orientieren. Das Restaurant gab Kostproben der Militärküche, und Militärmusik tönte vom Podium über den Messeplatz. Die Informationen über die Leistungen der Swisscoy sollten auch kritische Gemüter überzeugen. Eine spielerische Einführung für Erwachsene und Kinder, um sich auf dem Rummelplatz militärischer Technologie zurechtzufinden.

Am Eröffnungstag demonstrierten junge Leute von der GSoA mit einem Men-schenteppich vor dem Eingang der Messehalle gegen die Zurschaustellung von Vernichtungsmaschinen. Messedirektor Böhni kommentierte dies bissig als Aktion der ´äussersten Linkenª.

Auch die ´Frauen für den Friedenª machten auf ihre Auffassung von Friedensförderung aufmerksam. Einen Auftritt innerhalb der Mustermesse konnten auf Grund fehlender finanzieller und personeller Mittel weder sie noch die Schweizerische Friedensstiftung auf die Beine stellen. Frauen standen mit Transparenten auf dem Messeplatz und sammelten Unterschriften für die Petition zur Schaffung eines Friedensforschungsinstitutes auf Bundesebene. Zusammen mit einer Gruppe von SchülerInnen zogen sie rund um die Hallen. Am traditionellen ´Muba-Tag der Frauª unterstrichen sie mit einem Trauerzug in Form eines Totentanzes rund um den Messeplatz erneut ihre Gesinnung.

War die Muba die Vorbereitung für den Verkauf der 180 noch sehr gut erhaltenen Panzer 68/88, für die sich laut Recherchen der Basler Zeitung vom 6. Mai 2000 auch Thailand interessiert? Werden sie dort etwa für die Bestellung der Reisfelder eingesetzt werden können? Soll das Rüstungskarussell mit unserer Hilfe weiter in Bewegung gehalten werden? Oder bringen wir es fertig, Mittel für wirklich frie-densfördernde Massnahmen bereit zu stellen? Oder bringen wir wenigstens das taktische Ziel einer Armeehalbierung durch? Denn die Abschaffung der Armee bleibt — so zeigt der Erfolg der Wehrschau — vorläufig wohl eine reine Utopie.

Lini Culetto ist Präsidentin der Frauen für den Frieden Schweiz.
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