Kolumne aus Nr. 3/2000

Sponsoren gesucht

Von Jürgmeier

Da heisst es immer, die Wirtschaft sei an vorderster Front der Entwicklung, und dann verschlafen die Bosse das joint venture der letzten Jahrzehnte. Hätten sie, damals, ganz diskret, die GSoA unterstützt — sie hätten Milliarden eingespart und müssten sich jetzt nicht als vaterlandslose Geldsäcke beschimpfen lassen, die ihre Angestellten nicht länger für den Dienst an der Gemeinschaft freistellen wollen. Tausende von Friedensappellen vermochten der Armee nichts anzuhaben, jetzt genügen ein paar Jahre rote Zahlen in den Bundesfinanzen sowie die Verschärfung des internationalen Standortwettbewerbs, und schon schwenken die Spitzen der Gewerbe- und Wirtschaftsverbände die weisse Fahne, als hätten sie eine pazifistische Erleuchtung erlitten. Die im internationalen Konkurrenzkampf stehende Wirtschaft könne ihre besten Leute nicht länger Hunderttausende von Mann-Tagen à fonds perdu der Armee zur Verfügung stellen, die Facharbeiter und Topmanager womöglich von ´Lotharª heruntergerissene Tannzapfen sammeln oder ein paar eingeschneite Kühe mit dem Super-Puma zu Tal fliegen lasse. Die guten alten Zeiten sind vorbei, in denen, weltweit, die besten Männer fürs Vaterland nicht nur während ein paar Wochen am Bankschalter fehlten, sondern gleich ihr ganzes Leben auf dem Schlachtfeld liessen. Global players haben, verständlicherweise, kein grosses Interesse an einer Organisation, die, im Ernstfall, ihre besten KundInnen ausbombt.

Die globalisierte Wirtschaft braucht flexible, mobile, allzeit und überall bereit Arbeitskräfte, die nicht von der Allgemeinheit missbraucht werden. Der Sieg des individuellen Profits ist auch ein Sieg über das Kollektiv Armee. In einer Gesellschaft, in der keine und keiner mehr ohne angemessene Entschädigung Unterschriften für die Erhaltung demokratischer Rechte sammelt, ist ein Romantiker, wer noch das Töten und Getötetwerden um Gotteslohn einfordert. Oder ein Sozialist. Es liegt in der Logik der Globalisierung — die nationale Heiligtümer wie Fluggesellschaften, Bierbrauereien und Mittelstürmer längst an den Meistbietenden verhökert —, dass sich nicht mehr jeder Staat eine eigene Armee leisten kann. Das Kapital treibt die Internationalisierung weiter als es sich die Linke je zu erträumen gewagt hätte. Eine Überlebenschance haben Armeen nicht mehr als nationale Symbole, sondern als internationale Werbeträger. Kompanien mit ihrem Logo auf Kämpfer, Helm und Ausgangsunterwäsche von Kiributi bis Bümpliz — das würden sich General Motors und Microsoft, Nestlé und Vadofone, bestimmt, einiges kosten lassen. Keine und keiner hoffe, so werde, halleluja, durchs Hintertürchen der Krieg ein für allemal beendet. Oder sind Autorennen abgeschafft worden, nur weil japanische Motoren für englische Rennställe dröhnen und der Deutsche Michael Schuhmacher in ein italienisches Cockpit steigt? Was gäbe es Effizienteres als eine Armee, die gleichzeitig für sieben Länder marschiert? Der nächste Krieg — gesponsert von Swisscom. Wenn das, Eventwerbung vom Feinsten, die Aktienkurse nicht in die Höhe treibt.

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