Von der Ölkrise zur OPEC-Krise und zur nächsten Ölkrise

Von der Ölkrise zur OPEC-Kriseª1 lautete 1998 die Überschrift eines Artikels. Nur zwei Jahre später scheint die Situation völlig verändert: Der Benzinpreis steigt und steigt und bringt das schwarze Gold fast täglich in die Schlagzeilen. Doch angesichts der komplexen ökonomischen und politischen Zusammenhänge rund um den Rohstoff Öl sind Prognosen mit Vorsicht zu geniessen.

Von Detlev Bruggmann*

Die Erklärung dafür, was mit den Ölpreisen in den letzten beiden Jahren ´losª war, scheint auf den ersten Blick einfach: Im Dezember 1997 begann sich in Asien eine Krise bemerkbar zu machen, die mehr als 20 Jahre ungebrochenes Wirtschaftswachstum beendete. Zur gleichen Zeit befand sich auch die weltweite Erd-ölfördermenge auf dem bisher höchsten Stand, nachdem einerseits die OPEC-Staaten aufgrund einer kontinuierlich gestiegenen Nachfrage ihre Fördermengen angehoben und andererseits die UNO die sogenannte ´Öl für Nahrungª-Quote des Irak erhöht hatte.

Das übergrosse Angebot, der plötzliche Nachfragerückgang in Asien und ein ungewöhnlich milder Winter in der nördlichen Hemisphäre liessen den Erdölpreis in den folgenden Monaten von 23 (Dezember 1997) auf 10 US-Dollar pro Barrel (Februar 1999) fallen. In der Folge gerieten verschiedenen OPEC-Staaten, deren Wirtschaft völlig vom Ölpreis abhängt, in eine akute Finanzkrise. Doch erst im März 1999 konnten sich die zwölf OPEC-Mitglieder auf eine Senkung der Erdölförderung einigen. Der Ölpreis begann im April 1999 zu steigen und alles schien wieder ins Lot zu kommen. So jedenfalls glaubten die meisten ExpertIn-nen im Westen: Die Förderdis-ziplin der OPEC würde — wie in den vorangegangenen Jahren — bald wieder zerfallen, und der Ölpreis sich irgendwo zwischen 10 und 15 Dollar pro Barrel einpendeln, nahmen sie an.

Zwei Faktoren führten dazu, dass so ziemlich das Gegenteil geschah:

  1. konnte die OPEC ihre Einigkeit praktisch das ganze Jahr 1999 über aufrecht erhalten, d.h. kein Mitglied brach aus und erhöhte z. B. eigenmächtig die Förderquote.
  2. erholten sich die asiatischen ´Tigerstaatenª rascher als erwartet von der Wirtschaftskrise: Bereits im Sommer 1999 begann die Nachfrage nach Öl — dem ´Haupttreibstoffª des asiatischen Wirtschaftswachstums — wieder markant zu steigen.

Bis Ende des Jahres stieg der weltweite Erdölverbrauch 1999 um 1,6% auf den neuen Höchststand von über 75 Millionen Barrel pro Tag. Gleichzeitig drosselte die OPEC ihre Fördermenge bis Dezember 1999 auf 75%. Das Ergebnis: Es wurde weltweit mehr Öl verbraucht als gefördert. Die Industriestaaten mussten im Herbst 1999 ihre eisernen Reserven anbrauchen, während der Ölpreis innert Kürze auf 30 Dollar pro Barrel kletterte. Zum Jahreswechsel 1999/2000 tauchte plötzlich das Gespenst der Ölkrise wieder auf, das alle für immer in der Versenkung geglaubt hatten.

Ende März 2000 dann endlich die Entwarnung: Die OPEC-Staaten einigten sich auf eine Erhöhung der Erdölproduktion, der Rest der Welt konnte aufatmen — oder doch nicht? Nein, denn die nächste Ölkrise wird kommen, die Frage ist nur, wann. Um den Zeitpunkt voraussagen zu können, müssten wir die Antwort auf drei Fragen kennen.

Wieviel Öl gibt es auf dieser Erde?

Die meist diskutierte Frage im Ölbusiness kann nach wie vor niemand beantworten: Wieviel Erdöl gibt es überhaupt? Nur schon die Zahlen, welche für die Reserven der bereits entdeckten Ölvorkommen existieren, beruhen auf groben Schätzungen. Darüber, wieviel Öl noch unentdeckt irgendwo auf dem Globus versteckt liegt, können auch ExpertInnen nur mutmassen.

Und die Vermutungen gehen zum Teil sehr weit auseinander: Während die grössten OptimistInnen davon ausgehen, dass uns das Erdöl in den nächsten 100 Jahren nicht ausgehen wird, rechnen PessimistInnen höchstens bis Mitte des Jahrhunderts. Dies immer ausgehend vom Stand des gegenwärtigen Erdölkonsums — und damit kommen wir zur zweiten Gretchenfrage…

Wieviel Erdöl verbrauchen wir in welchem Zeitraum?

Geht man vom heutigen Verbrauch aus (rund 75 Mio Barrel pro Tag), so reichen die Ölreserven je nach Prognose zwischen weniger als 50 und mehr als 100 Jahre. Das Problem besteht darin, dass der weltweite Erdölkonsum in den vergangenen Jahrzehnten laufend gestiegen ist — und dies ohne radikale Umkehr in der Energiepolitik auch weiterhin tun wird. Selbst eine moderate Zunahme von 1,5-2% (was in etwa dem Anstieg der vergangenen Jahre und dem Wachstum der Weltbevölkerung entspricht) würde bedeuten, dass sich der Erdölkonsum innert 35 Jahren verdoppelt. Mit anderen Worten: Auch die Reserven der grössten Erdöl-OptimistInnen können plötzlich sehr schnell schrumpfen.

Wieviel Öl lässt sich real überhaupt fördern?

Die Antwort darauf ist entscheidend dafür, ob es bereits in naher Zukunft zu einer Ölkrise komm: Wieviel Öl lässt sich zurzeit real auf der Erde fördern? Ein Erdölvorkommen kann nicht beliebig schnell ausgebeutet werden, auch wenn die Förderkapazitäten in der Vergangenheit dank technischer Verbesserungen laufend gesteigert wurden. Vielmehr weiss man aus Erfahrung, dass die Förderkurve eines Ölfeldes glockenähnlich verläuft: Bis zur Abschöpfung der Hälfte des Öls steigt die maximale tägliche Fördermenge an, um nachher bis zum letzten Tropfen in gleichem Mass wieder zurückzugehen.

Bereits Ende der 60er Jahre seinen Erdölzenit überschritten hat der Erdöl-Pionier USA: Die eigenen Reserven gehen seither unerbittlich zur Neige und die einstige Selbstversorgerin muss heute bereits mehr als die Hälfte des benötigten Erdöls importieren. In den ersten Jahren des neuen Jahrtausends werden nach Ansicht vieler ExpertInnen weitere grosse Erdölvorkommen des Westens (z. B. Nordsee) und Russlands (Sibirien) ihren Förderhöhepunkt erreichen; und dort, wo dies noch nicht der Fall ist (z. B. Mexiko, Venezuela, Nigeria und China), sind in den kommenden Jahren immense Investitionen Voraussetzung dafür, dass die Förderkapazitäten noch einige Zeit auf dem heutigen Niveau gehalten werden können. Noch nicht so rasch zur Neige gehen werden einzig die Erdölvorkommen rund um den persischen Golf, wo rund zwei Drittel des weltweiten Erdöls vermutet wird.

Die Ölförderung ausserhalb des persischen Golfes wird also in absehbarer Zukunft ihren Höhepunkt bei etwa 55-56 Millionen Barrel pro Tag erreichen, wovon rund 10 Millionen Barrel von den OPEC-Mitgliedern Venezuela, Nigeria, Algerien, Libyen und Indonesien stammen werden. Bereits für das laufende Jahr prognostiziert die Internationale Energie-Agentur IEA (in der sich die Erdölabnehmerländer zusammengeschlossen haben) einen weltweiten Erd-ölverbrauch von 77 Millionen Barrel pro Tag. Das heisst, die Staaten am persischen Golf müssen dieses Jahr rund 20-22 Millionen Barrel Öl fördern, ansonsten bereits im kommenden Winter ein Lieferengpass entsteht. Ende 1999 produzierten die Golfstaaten gut 19 Millionen Barrel pro Tag, zu denen nach dem OPEC-Beschluss vom März 2000 rund 2 Millionen Barrel dazu kommen dürften.

Das Öl wird wieder zum Politikum

Damit ist das Problem allerdings nur für den Moment respektive dieses Jahr gelöst, liegt doch das technische Fördermaximum aller Golfstaaten zusammen heute bei etwa 23 Millionen Barrel pro Tag. Mit anderen Worten: Hält der Anstieg des weltweiten Erdölverbrauchs an, wird es schon bald eng. Und mit der auseinandergehenden Förderschere wird die Macht der OPEC-Kartells respektive der Golfstaaten Jahr für Jahr wachsen — und mit ihr der persische Golf wieder in den Mittelpunkt der Weltpolitik rücken.

Hauptverantwortlich für die gegenwärtig vergleichsweise niedrige Förderkapazität am persischen Golf ist die Situation des Irans und des Iraks: Nicht nur, dass die beiden Länder von 1980-89 fast ein Jahrzehnt lang einen Krieg gegeneinander geführt haben, der die Produktionsanlagen beider Länder empfindlich traf. Sowohl der Iran wie der Irak sind ausserdem seit Jahren durch internationale Boykotte und Sanktionen auch vom Import dringend benötigter Ersatzteile für ihre Förderanlagen und Pipelines abgeschnitten. Das diplomatische Tauwetter, das in den Industriestaaten gegenüber dem Iran seit einigen Monaten herrscht, dürfte also ebenso mit der Sicherung der Erdölversorgung des Westens zusammenhängen, wie auch die jüngste Bereitschaft seitens der USA, die UNO-Sanktionen gegen den Irak zu überdenken. Ohne schleunigste ´Wie-derflottmachungª der beiden Ölsuper-mächte Iran und Irak ist eine baldige Öl-krise nicht abzuwenden.

* Der Text stützt sich im wesentlichen auf: ´Oil supply: The crunch has arrived! Publiziert im Internet auf: www.hubbertpeak.com/editorials/20000313.htm (unabhängige us-amerikanische Website zum Thema Erdöl).

1 Richard Mably: ´The arab embargo — from oil crisis to OPEC crisisª, in: Middle East Times, Nr. 42/1998


Politische und militärische Konflikte ums Öl

1914 Das Streben nach Öl (und anderen Rohstoffen) war mit ein Grund, weshalb Deutschland an der Seite Österreichs in den Ersten Weltkrieg eintritt.
1918-39 Der Kampf ums Öl zwischen den führenden Industrienationen wird in der Zwischenkriegszeit ökonomisch und politisch fortgeführt; Hauptakteure sind die britisch-niederländischen (BP, Shell) und die amerikanischen (Standard Oil) Erdölkonzerne. Zu Beginn dominiert Grossbritannien, das zunächst den Anteil der von ihm kontrollierten Erdölvorkommen weltweit von 9% (1914) auf 75% (1920) steigern kann. Die robustere und weniger kriegsgeschädigte US-Industrie holt aber kontinuierlich auf: Bis 1939 sichern sich die fünf grössten amerikanischen Erdölfirmen die Rechte für grosse Ölvorkommen in Irak, Bahrain, Saudiarabien und Kuwait; damit kontrollieren die USA zu Beginn des Zweiten Weltkriegs rund die Hälfte des Öls im Nahen Osten (Grossbritannien und Niederlande: 40%; Frankreich: 6%).
1932-35 Paraguay annektiert einen Teil Boliviens, in dem es (fälschlicherweise) Erdölvorkommen vermutet (Chaco-Krieg).
1935-38 In und um die Erdölgebiete Mexikos kommt es zu Aufständen und bewaffneten Auseinandersetzungen, in die auch die USA und Grossbritannien verwickelt sind; als die mexikanische Regierung 1938 die Erdölindustrie verstaatlicht, bricht Grossbritannien die diplomatischen Beziehungen ab.
1939-45 Auch im Zweiten Weltkrieg spielt der Streit um die Rohstoffe eine Rolle: 1939 beherrschen die Achsenmächte (v.a. Deutschland, Italien und Japan) rund 3 Prozent der Erdoberfläche und 5% der weltweiten mineralischen Rohstoffe. Bis 1942, dem Wendepunkt des Krieges, steigen diese Zahlen auf 13% (Landfläche) respektive 33% (mineralische Rohstoffe). Während Italien und Japan ihre Erdölversorgung vor allem durch eine Vergrösserung ihrer Kolonien (Nordafrika, respektive Pazifik) zu sichern versuchen, setzt Deutschland alles auf die Karte ´Sowjetunionª; dessen Wirtschaft hatte sich zwar nur langsam vom Bürgerkrieg und dem Ersten Weltkrieg erholt, profitierte aber entscheidend von den weltweit zu den grössten Erdölvorkommen zählenden sibirischen Quellen.
1945-50 Der Zweite Weltkrieg macht deutlich, welch entscheidende militärische Rolle die Erdölversorgung spielt (als Treibstoff, zur Herstellung von Sprengstoffen, Gummi, Kunststoffen und anderen chemischen Gütern). Die USA setzen zum entscheidenden Sprung an und nützen die Nachkriegsjahre politisch geschickt aus, um ihre härtesten Konkurrenten im Ölgeschäft sowohl im pazifischen Raum wie im Nahen Osten auszuschalten. Während sie die britischen Erdölfirmen dafür zumindest finanziell entschädigen müssen, wird die Compagnie Française de Pétrol (CFP) als ´Kollaborateurinª der Deutschen gebrandmarkt und zur Kriegsverliererin. Nach dem Zweiten Weltkrieg kontrollieren die USA 65% (1939: 57%) der Erdölvorkommen ausserhalb der kommunistischen Staaten, während der britisch(-niederländische) Anteil von 36% auf unter 30% fällt. Noch eindrücklicher sind die Zahlen ohne die grossen einheimischen Ölvorkommen der USA: Nach dem Krieg haben sich die US-Firmen die Förderrechte für rund die Hälfte der weltweiten Vorkommen (ausser USA und UdSSR) gesichert, was einer Verdoppelung gleichkommt.
1951-53 Im Iran kommt es zu einem Machtwechsel und das bis dahin britisch (durch die Anglo-Iranian Oil Company, AIOC) kontrollierte Ölgeschäft wird in der Folge verstaatlicht. Die USA verzichten zunächst auf ein Eingreifen zugunsten Grossbritanniens (des nachwievor härtesten Konkurrenten im Kampf ums weltweite Öl). Erst 1953 wird die neue iranische Regierung mit britischer und amerikanischer Hilfe gestürzt und die Erdölindustrie wieder privatisiert. Hauptprofiteure sind die US-Konzerne, denen 40% der iranischen Ölrechte zugeschanzt werden, während die AIOC nur noch 40% erhält; die restlichen 20% teilen sich britisch-niederländische Shell (14%) und die französische CFP (6%).
1967 Nach dem 6-Tage-Krieg verhängen die arabischen Öl-Länder ein erstes Ölembargo gegen die OECD-Staaten.
1967-70 In Nigeria schlagen Regierungstruppen den Versuch der Ibo im Osten des Landes, einen eigenen Staat Biafra zu gründen, nieder. Der Krieg, der schliesslich mehr als eine Million Tote fordert, eskaliert jedoch erst richtig, als Shell sich bereit erklärt, die Konzessionsgelder für das nigerianische Öl an Biafra zahlen zu wollen.
1973/74 Als Folge der einseitigen Unterstützung Israels durch die USA während des Yom-Kippur-Krieges kommt es zum grossen Ölschock: Die OPEC-Staaten unter Führung der arabischen Länder drehen den Ölhahn zu, der Ölpreis vervierfacht sich innert eines Jahres und die Industriestaaten, deren praktisch gesamte Wirtschaft vom schwarzen Gold abhängig ist, werden von der heftigsten Rezession seit den 30er Jahren erschüttert.
1973-76 Die Entdeckung von Erdöl in der Ägäis (vor der griechischen Insel Thassos) führt 1973 zu einer Verschärfung der ohnehin schon angespannten Beziehungen zwischen Griechenland und der Türkei. Als Griechenland Verhandlungen ablehnt, beginnt die Türkei kurzerhand mit der Suche nach Öl rund um die (griechische) Insel Lesbos. In der Folge tauschen beide Länder (auch militärische) Drohungen aus, die 1976 beinahe eskalieren. Seither wird über das Öl in der Ägäis nur noch am Verhandlungstisch gestritten — allerdings bis anhin ohne grosse Fortschritte.
1974 Zwischen China und Vietnam kommt es zum Konflikt um die Para-cel-Inselgruppe, wo grosse unterseeische Erdölvorkommen vermutet werden; das Ganze endet mit der Eroberung der dortigen vietnamesischen Garnison durch China.
1974-80 Der Nahe und Mittlere Osten avanciert zum Nabel der Weltpolitik, was in der Drohung von US-Präsident Carter gipfelt, dass die USA künftig den Zugang zu den Ölreserven am persischen Golf mit allen, also auch militärischen Mitteln verteidigen würden. Mit dem Camp David-Friedensabkommen zwischen Israel und Ägypten haben sich die USA 1978 das Recht für die Stationierung von Truppen auf der Sinai-Halbinsel gesichert und beginnen mit dem Aufbau ihrer Über-wachungskapazitäten; gleichzeitig wird eine ´Schnelle Eingreiftrup- peª für den Nahen Osten aufgebaut; zusammen mit anderen Nato-Staaten sichern sich die USA ausserdem die militärische Kontrolle über den Suezkanal. Gleichzeitig vervielfachen sich die Anstrengungen des Westens, sich aus der Abhängigkeit vom arabischen Öl zu lösen: durch Energiesparmassnahmen, Produktivitätssteigerungen und die Ausbeutung eigener Erdölvorkommen (Nordsee, Alaska). Während die USA 1977 noch einen Drittel ihres Erdölbedarfs im Nahen Osten decken, sinkt dieser Anteil bis 1984 auf 4%.
89-89 Fast zehn Jahre lang führen der Iran und der Irak Krieg (1. Golfkrieg) gegeneinander, ohne dass eine der beiden Parteien entscheidende Vorteile erringt. Erfolgreich sind beide nur im gegenseitigen Bemühen, die Erdölproduktion des Gegners (die Haupteinnahmequelle beider Länder) zu zerstören. Damit fallen zum einen zwar zwei der ganz grossen Öllieferländer aus, gleichzeitig führt dieser ´interneª Konflikt aber auch zu einer Lähmung und Schwächung der OPEC. Ähnliche militärische ´Erfolgeª werden zur gleichen Zeit aus dem Süden Afrikas gemeldet: Zum einen vom ANC, der immer wieder die südafrikanische Erdölindustrie angreift, wie auch vom Apart-heidsregime, das u.a. Jonas Savimbis UNITA bei der Sabotage der angolanischen Erdölförderung unterstützt.
198? In Nigeria schlagen reguläre Truppen und paramilitärische Kräfte den Kampf der Ogoni gegen die Zerstörung ihres Lebensraums durch die Erdölförderung von Shell blutig nieder; ihr Wortführer, der Schriftsteller Ken-Saro Wiwa wird mit acht weiteren Oppositionellen hingerichtet.
1990/91 Sich in falscher Sicherheit bezüglich der us-amerikanischen Haltung wiegend (´Der Feind meines Feindes ist mein Freundª), überfällt der Irak Kuwait und rückt mit einem Schlag zur neuen Öl-Supermacht auf. Mit noch nie dagewesener Schärfe und militärischem Aufwand reagiert der Westen und stellt unter us-amerikanischer Führung die alten Herrschaftsverhältnisse wieder her (2. Golfkrieg). Die fast schon traditionellen innerarabischen Spannungen (Libyen — Ägypten, Syrien — Irak, Irak — Iran) werden durch die Spaltung der OPEC in prowestliche und revolutionäre Kräfte ergänzt.
1998/99 Die zunehmenden politischen Spannungen führen zum Sturz des Suharto-Regimes in Indonesien. Der Vielvölker-Staat kommt aber nicht wirklich zur Ruhe. Die reichen Erdölvorkommen des zur OPEC gehörenden Archipels sind mit ein Grund, weshalb sich auch die neue Zentralregierung in Djakarta weiterhin jeglicher Unabhängigkeitsbestrebung mit allen Mitteln widersetzen wird.
20XX Eine allfällige Entdeckung grosser Erdölvorkommen im letzten, noch nicht völlig erforschten Teil der Erde — der Antarktis — wird im Fall eines Konflikts (mindestens) 20 Staaten involvieren.

Inhaltsübersicht nächster Artikel