Kolumbien: Öl ist wichtiger als Menschenrechte

Kolumbiens Militär führt nicht nur Krieg gegen die Guerilla, sondern auch gegen Indigene und Oppositionelle, welche sich gegen die Erdölausbeutung wehren. Die Konzerne mischen mit.

Obwohl Kolumbien zumindest auf dem Papier weitgehende Rechte für Indigene kennt und diesen auch Schutzgebiete (resguardos) zusprach, können beispielsweise die U‘wa in Kolumbien ihr traditionelles Ahnenland nicht vor den Ölkonzernen (und dem Staat) schützen: Die U‘wa lehnen eine Erdölförderung in ihrem Gebiet vollständig ab, da für sie das Erdöl als das Blut der Erde gilt und in dieser bleiben soll. Die U‘wa drohten bereits mit dem kollektiven Selbstmord. Dieser Widerstand veranlasste Shell, sich aus dem Gebiet zurückzuziehen; nicht so aber die amerikanische Firma Occi-dental Petroleum Corporation Oxy: Trotz Strassen-Blocka- den, Protesten und Gerichtsklagen begann Oxy denn auch mit ersten Probebohrungen, sobald das kolumbianische Obergericht eine einstweilige Verfügung eines regionalen Gerichtshofes widerrufen hatte.

Die Indigenen werden zusätzlich in den Bürgerkrieg hineingezogen: Die U’wa werden von der Regierung und den Konzernen gezielt in Zusammenhang mit der Guerilla gebracht; die Drohung, das Militär zur Hilfe zu rufen, wurde denn auch schon des öfteren wahr gemacht.

Auch British Petroleum BP scheute sich nicht, ab 1996 das wegen Menschenrechtsverletzungen und Korruption bekannte kolumbianische Militär für seine Interessen einzusetzen. Für den sicheren Bau einer 880 km langen Pipeline an die Karibik-Küste schlossen BP und seine Partner mit dem Verteidigungsministerium 1996 ein Abkommen, wonach die Armee unter Bezahlung der Konzerne die Arbeiten beschützen sollten, da die Öleinrichtungen ein beliebtes Ziel der Guerilla sind. Eine spezielle Brigade mit 3000 Soldaten wurde ins Ölfördergebiet Casanare gesandt, deren einziger Zweck der Schutz der Ölfirmen war. Aber auch ein Spezialtraining wurde angeboten: Durch die von BP ange-heuerte britische Defense Systems Limited DSL wurden kolumbianische Soldaten und Paramilitärs in Anti-Guerilla-Taktiken und im Gebrauch von militärischen Waffen ausge- bildet. DSL schuf aber auch eine eigene Söldner-Truppe in Kolumbien. Diesen wird vorgeworfen, auch mit paramilitärischen und privaten Gewaltorganisationen vernetzt zu sein, welche Oppositionelle ermorden oder entführen und jeglichen Widerstand gegen die Ölförderungs-Vorhaben oder für Gewerkschaftsrechte auf das brutalste unterdrücken. BP selbst soll Fotos und Videoaufzeichnungen von DemonstrantInnen an die Armee weitergegeben haben.

(mr)


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