Sibirien: Die tägliche Ölpest in der Taiga

Das zentrale russische Pipelinenetz umfasst schätzungsweise 40 000 Kilometer. Davon sind zwei Drittel überaltert und reparaturbedürftig. Fast täglich kommt es in Westsibirien zu Leckagen. Allein 1989 bis 1993 wurden 40 000 Störfälle erfasst, häufig begleitet von Bränden. Alexej Jablokow, damaliger Umweltbeauftragter von Yeltsin, schätzte bereits 1992, dass zwischen 7 und 20 Prozent der gesamten Förderung beim Transport durch Pipelines in Russland verloren geht. Bei einer Jahresproduktion von etwa 300 Millionen Tonnen sind das mehr als 20 Millionen Tonnen.

Im Samotlor-Feld, dem grössten Russlands, werden jährlich 200 bis 400 Havarien gemeldet. Eine Fläche von 20 000 Quadratkilometer ist dort bereits mit ausgetretenem Öl bedeckt. Im Hauptfördergebiet von Tjumen gingen 1989 370 000 Hektar Wald durch Brände verloren. 11 bis 15 Millionen Hektar Rentierweide sind vernichtet, 28 grosse und Hunderte kleiner Flüsse biologisch tot. Die jugrischen Ureinwohner haben vom Erdölboom nur den Schaden. Ihre Rentierwege, Begräbnisplätze und Sommerweiden hat die Ölindustrie mit Förderanlagen und Trans-portpisten zerstört.

Und neue Gefahren lauern: Im Überschwemmungsgebiet des Ob liegt das noch unerschlossene Priobskoye-Feld mit einem geschätzten Vorrat von 500 Millionen Tonnen Erdöl. Zwar hat der Ölkonzern Amoco bereits eine Arbeitsgeneh-migung, doch scheitert die Ausbeutung bislang an der ungesicherten Finanzierung des russischen Partnerunterneh-mens. Auch Shell hat in diesem Gebiet eine Genehmigung für die Entwicklung eines Ölfeldes erhalten.

Experten befürchten, dass bei Erschliessung dieser Ölfelder Lecks und Unfälle das Öl über ein riesiges Gebiet bis hinein ins Nordmeer verteilen könnten. Dazu kommt noch, dass man das in Westsibirien produzierte Öl durch das existierende marode Pipelinenetz zu den Absatzmärkten im Westen transportieren müsste. Dies könnte erneut zu katastrophalen Ölverlusten und Umweltverseuchungen führen.

Quelle: www.greenpeace.de/GP_DOK_3P/BROSCHUE/ARGUMENT/C12AR02B.HTM


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