Kaum ein anderer Rohstoff ist für das wirtschaftliche Wohlergehen der Industriestaaten derart zentral wie das Erdöl. Nordamerika, Europa und Asien zusammen verbrauchen heute rund drei Viertel der gesamten Erdölproduktion, können aber nicht einmal die Hälfte davon aus eigenen Reserven decken. Zwar stellte die Ölkrise von 1973 so etwas wie einen heilsamen Schock für die Energiepolitik des Westen und des Fernen Ostens dar er ging aber allzu rasch wieder vergessen. Seit Ende der 80er Jahre, als nach Tschernobyl die Atomkraft ihre Attraktivität als Energiealternative einzubüs-sen begann (und zunehmend auch ökonomisch uninteressant wurde), steigt der weltweite Erdölkonsum wieder rasant an und hat seit 1996 das Niveau der 70er Jahre überschritten.
Mit dem Erdölverbrauch nehmen aber auch die unangenehmen ´Nebenerscheinungenª des Öls zu, die wir nur teilweise selbst erdulden müssen (Luftverschmutzung, Klimaerwärmung). Andere haben rein gar nichts vom Öl und bezahlen doch Tag für Tag mit ihrer Gesundheit oder ihrer unmittelbaren Umwelt für unseren Rohstoff-hunger: zum Beispiel die Ogoni in Nigeria oder die Uwa in Kolumbien.
Immer noch werfen wir den Grossteil des schwarzen Goldes quasi zum Fenster hinaus: Mehr als die Hälfte verbrennen wir mittels fahrenden oder fliegenden Verbrennungsmotoren sowie Heizungen, deren Wirkungsgrad noch immer keine 20% erreicht, und lassen somit 80% der Energie nutzlos als Wärme verpuffen. Wenn irgendwo auf der Welt Krieg ums Öl geführt wird, dann geschieht das letztlich, damit wir genau das weiterhin möglichst billig tun können. Wollen wir das wirklich?
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