Vereinfachungen, Stereotypisierungen, Ethnozentrismen, Sexismen... Selbst beim besten Willen muss sich auch die FriZ-Redaktion hin und wieder wegen der einen oder anderen Formulierung an der eigenen Nase nehmen. Viel schwieriger ist jedoch das Erkennen und Vermeiden derjenigen Probleme, die oft hinter "semantischen" Entgleisungen liegen oder die sich durch die Art der Arbeit per se ergeben.
Die FriZ kann hier in einer kritischen Selbstbetrachtung nur einen Teil der Fragen aufzählen, welchen wir uns in unserer Arbeit immer wieder grundsätzlich stellen müssen.
Bereits in der Planung und Auswahl der Themen insbesondere der Schwerpunkte stellt sich eine Hauptfrage immer wieder:
Welche Konflikte, welche Ereignisse berücksichtigen wir? Was tun wir, um nicht gewisse Konflikte ja manchmal ganze Weltregionen zu vernachlässigen? Welches sind unsere Ethnozentrismen? Auch wir sind von Kriegen "vor unserer Haustüre" stärker betroffen...Von einigen geographischen aber auch politisch-strukturellen Konflikten und Problemen (z.B. Migration, Frauendiskriminierung) wissen wir mehr, von anderen wenig bis gar nichts (z.B. Westafrika und Indonesien, oder die Auswirkungen des Finanzkapitalismus). Wie kommen wir darauf, dass sie existieren? Wie nehmen wir sie auf, ohne uns zu überfordern oder nur an der Oberfläche zu bleiben? Gerade in solchen, uns fremderen Themen sind wir vermehrt auf die Unterstützung von Externen' bereits in der Planung angewiesen. Häufig gelingt es uns aber erst, sie mit konkreten Textanfragen zu engagieren also nach der Planung. Daraus ergibt sich dann oft die Frage:
Wie vertrauenswürdig sind uns nicht persönlich bekannte Quellen? Wie überprüfen wir die von ihnen gelieferten Fakten?Auch hier versteckt sich oft ein Ethnozentrismus: Warum trauen wir irgendeinem Journalisten oder einer Hilfswerkvertreterin mehr Objektivität in der Beschreibung eines Konfliktes und seiner Hintergründe zu? Wieviel Zeit verwenden wir für Vorabklärungen?
Gerade wenn es unsere Absicht ist und das ist sie in Konflikten und Friedensprozessen nicht nur aus der hohen Politik zu berichten, sondern eben auch über die Friedensarbeit der Zivilbevölkerung, den Widerstand einzelner gegen Gewalt und Unterdrückung etc., braucht es den Zugang zu Quellen vor Ort'. Den Blick auf die Gräuel von Kriegen zu werfen, ist aber nicht einfach gerade für AutorInnen der betroffenen Länder , ohne dass die Bevölkerung zu Opfern reduziert wird. Natürlich müssen Opfer als solche bezeichnet und anerkannt werden, wo sie es sind. Aber es fällt oft schwer, sie angesichts der vielen Untaten durch die Kriegstreibenden noch als handelnde Menschen mit einer Würde zu sehen und nicht nur in Bezug auf das ihnen angetane Leid. Jedoch:
Ist dieses Herangehen an die Einzelmenschen in einem Konflikt weil wir dies so wollen, um nicht immer nur über die Taten der grossen Herren' (und seltener Frauen) zu schreiben nicht wieder eine neue Form der Instrumentalisierung?Und ganz grundsätzlich zum Schluss:
Wie geht mensch an die Gräuel des Krieges journalistisch heran? Wie kann vermieden werden, ständig über "Blut und Gewalt" zu berichten, ohne das wahre Gesicht des Krieges auszublenden, zu verharmlosen?Texte wie jener von Cristina Karrer in dieser FriZ lassen uns erschauern, mensch möchte sich abwenden (sprich die FriZ beiseite legen). Wir müssen aber hinschauen, nicht um unser Engagement als friedenspolitische Menschen wieder zu stärken, sondern um zu wissen, worüber wir eigentlich sprechen, respektive schreiben. Um einzusehen, wie weit entfernt unser Alltag vom Leben der Menschen in Konfliktgebieten ist. Um sie besser zu verstehen und ihnen mit Respekt zu begegnen. Erst dann lässt sich die Friedensarbeit von Menschen in Konfliktgebieten über die wir ja viel lieber schreiben wirklich würdigen.
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