Mitten durch den Krieg - ein Winter in Tschetschenien

Unter dem Deckmantel der "Terrorbekämpfung" verstossen russische Soldaten in Tschetschenien immer wieder gegen die Menschenrechte. Zwischen dem vergangenen Dezember und Januar wurden Siedlungen nahe der Stadt Grosny abgesperrt, die Männer zusammengetrieben, verhört, geschlagen und gefoltert. Wer ein gutes Bestechungsgeld zahlen konnte, entging der Tortur. Dies belegen Untersuchungen der Organisation Memorial, doch die Regierung im Moskau reagierte gelassen auf die Kritik des Europarates. Im Februar kamen laut der Agentur Interfax drei russische Polizeioffiziere ums Leben, als ein ferngezündeter Sprengsatz neben ihrem Dienstwagen explodierte. Die Spirale der Gewalt dreht sich immer schneller.

Anne Nivat, eine französische Journalistin, die fliessend Russisch spricht, hielt sich mehrere Monate in Tschetschenien auf, als dort 1999 der Krieg wieder ausbrach. Sie wolllte das Geschehen aus nächster Nähe beobachten, um den LeserInnen ein möglichst getreues Bild der Realität zu vermitteln. "Was ich erlebte, war die Hölle. Angst, die jedes andere Gefühl auslöscht", schreibt sie im Vorwort ihres Buches "Mitten durch den Krieg - ein Winter in Tschetschenien". Mit Hilfe von Freunden reiste sie durch die Kriegsgebiete, besuchte Flüchtlinge, die unter unvorstellbaren Bedingungen in ausgedienten Eisenbahnwagen oder Zeltunterkünften hausen. Sie wagte sich in Stellungen von Rebellen vor, sprach mit deren Führern. Sie hörte sich die Aussagen von russischen Soldaten an, die ihre Befehle ausführen und dabei wissen, dass sie keine Aussicht auf Erfolg haben. Bis heute nicht. Das Buch ist eine aufrüttelnde Kriegsreportage, die auf Analysen und Kommentare verzichtet. Die Aufzeichnungen sprechen für sich und führen vor Augen, wie sinnlos und menschenverachtend der Krieg in Tschetschenien für alle Beteiligten ist.

(cz)
Anne Nivat: Mitten durch den Krieg. Ein Winter in Tschetschenien. Rotpunktverlag, Zürich 2001

 


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