Stimmen für den Frieden

Zürcher Berufsschülerinnen setzten sich mit Krieg und seinen Folgen auseinander und engagieren sich für den Frieden.

Am 11. September 2002 haben Schülerinnen der Berufsschule für Detailhandel in Zürich mit ihrer Lehrerin, Elisabeth Petersen, einen Text über den Krieg in Tschetschenien gelesen. Nach einer Diskussion schrieben sie in Gruppen ihre Gedanken und Meinungen zum Krieg auf. Im Schulhaus haben sie ein Plakat aufgehängt mit Gedichten gegen den Krieg und Zeichnungen von Kindern aus dem Kriegsalltag. Angeregt durch diese Auseinandersetzung sammelten sie auch Unterschriften gegen den Krieg; bisher sind mehr als 200 zusammengekommen.

Elisabeth Petersen, die zusammen mit ihrem Mann das "Forum für Zeit-Zeugen. Gegen Gleichgültigkeit und Vergessen" leitet, sagt zu dieser Aktion: "Ich habe beobachtet, dass die Schilderungen von kriegsbetroffenen Mitschülerinnen aus Bosnien, Kosovo und Sri Lanka sehr viel Mitgefühl und Engagement gegen den Krieg geweckt haben." Aktives Eintreten für Frieden hilft den Jugendlichen, ihre Ohnmacht und Ängste auszudrücken und zu überwinden.

Schweigen bringt nichts

Am 11. September haben wir einen Text über die eine Situation im Krieg in Tschetschenien gelesen. Dies berührte uns alle sehr. In unserer Klasse hat es auch Betroffene, die eine Kriegssituation selbst miterlebt haben. Dies hat uns bewusst gemacht, dass der Krieg grosse Schäden hinterlässt. Viele Menschen sind sich gar nicht bewusst, was ein Krieg alles bewirken und zerstören kann. Da das Fernsehen immer nur eine Seite des Geschehens zeigt, kann man sich gar kein richtiges Bild über die Situation machen. Es ist unverständlich, dass nach den vielen Kriegen, die sich schon ereignet haben, es noch Menschen gibt, die ihre Macht durch einen Krieg und das Ausnutzen der Menschen beweisen wollen. (...) Wir haben uns überlegt, dass es nichts bringt, zu schweigen. Wir wollen mit diesem Brief zum Ausdruck bringen, dass uns der Frieden sehr am Herzen liegt. Wir sprechen nicht nur aus unserer Sicht, sondern aus der Sicht vieler Menschen, die leider schweigen. Wir hoffen, dass die Menschheit noch zur Vernunft kommt, am besten so schnell wie möglich; bevor es zu spät ist.

Nicole Hofmann, Dromy Almonte, Jil Heyer, Danijela Pantic, Suzana Zut

Das Heimweh bleibt

Warum müssen Menschen sterben?

Warum muss es so viele unschuldige Kriegsopfer geben?

Warum gibt es so viel Gewalt?

Warum hat die Menschheit noch nichts dazugelernt?

Warum muss Gewalt mit Gewalt gelöst werden?

Warum gibt es Rassismus?

All diese Fragen stellen wir uns und das stimmt uns traurig, denn die Opfer sind unter uns: KollegInnen, Bekannte, Freunde. Wir wollen ein Opfer, eine gute Freundin und Kollegin, die leider für viele Leute nur eine Ausländerin ist, zu Wort kommen lassen: "Ich hatte Hunger. Wir haben von morgens bis abends nichts essen können. Warum? Weil wir den ganzen Tag hindurch bombardiert wurden. Als sie endlich aufhörten und wir aus unserem Unterschlupf hervor kamen, sahen wir ein Bild des Grauens: Die Häuser, die zuvor in voller Pracht da standen, waren nur noch Ruinen. Tote und verletzte Menschen lagen herum; den einen fehlten die Arme oder die Beine, die anderen waren schrecklich zugerichtet. Bis zu unserer Flucht in die Schweiz lebten wir in Angst und Schrecken. Mittlerweile lebe ich mit meiner Familie seit vier Jahren in der Schweiz. Das Heimweh bleibt uns jedoch."

Martina Senn, Renuka Amirthalingam, Miriam Wälty, Ismaela Büchi

Wird der Krieg nie enden?

Der Krieg ist keine Lösung von Problemen. Er zerstört und vernichtet nur grundlos unschuldige Leben. Unserer Meinung nach müssten die Probleme diskutiert werden, ohne Gewalt anzuwenden. Wir finden es erschreckend, zu welchen Mitteln die Menschen greifen. Der Krieg sollte gar nicht erst begonnen werden, aber wenn die eine Seite Gewalt anwendet, muss die andere Seite sich verteidigen. Wir denken, dass der Krieg nie enden wird. Es gibt immer noch Länder, die den Krieg weiterführen, obwohl sich die andere Seite ergeben hat. Bis jetzt hat die Welt zwei Weltkriege überlebt. Einen dritten Weltkrieg werden wir nicht überleben.

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Güllü Acikgöz, Hatice Tugyan, Petra Lehmann, Sevda Akgül
 


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