FriZ 2/2003

"Verstehen verändert" lautet das Thema der Kampagne von Fastenopfer und Brot für alle. Der Slogan ist Programm, denn ohne echte Kommunikation und Verständigung ist eine nachhaltige Entwicklung nicht möglich.

Verstehen verändert

Kommunikation ist ein Menschenrecht. Doch längst nicht alle können am lebensnotwendigen Kommunikationsprozess teilhaben: Die Welt ist nach wie vor gespalten in "Informationsreiche" und "Informationsarme". Dadurch wird die nötige Verständigung in der Entwicklungszusammenarbeit behindert.

"Eine der Grundlagen zur positiven Veränderung der Unrechtsverhältnisse zwischen Menschen des Nordens und denjenigen des Südens ist die Realisierung einer gleichberechtigten Kommunikation", heisst es in der Botschaft 2003 zur Kampagne von Fastenopfer und Brot für alle. Das erfordert eine Kommunikation, die niemanden ausschliesst und eine lokale, regionale und weltweite Kommunikationsgemeinschaft ermöglicht. Diese anerkennt die kulturellen Unterschiede und dient den Bedürfnissen der Menschen im Süden.

Volksradios in Lateinamerika

Was tut das Fastenopfer in seiner Projektarbeit, um die Möglichkeiten der Kommunikation vor Ort zu verbessern und damit nachhaltige Entwicklung zu fördern? Ein Beispiel für den "Multiplikatoreneffekt" der Projektarbeit im Süden sind die vielen tausend Volksradios in Lateinamerika, die sich für die Rechte der Armen stark machen. Die "Radios populares" sind wichtige Einrichtungen in ländlichen Regionen und in den Slums der Grossstädte. Als unabhängige Stimme prangern sie Menschenrechtsverletzungen an und stellen gleichzeitig für Menschen, die nicht in die Schule gehen können, ein niederschwelliges Bildungsangebot bereit. So macht beispielsweise "Radio Marcala" im Hochland von Honduras Sendungen über nachhaltige landwirtschaftliche Anbaumethoden. Das ist Hilfe zur Selbsthilfe.

Beitrag zur Friedensarbeit in Kenia

Auch in Kenia unterhält das Fastenopfer friedensstiftende Projekte, in denen Kommunikation eine zentrale Bedeutung hat. Oft ist der Streit zwischen verschiedenen ethnischen Gruppe eine Ursache für die bestehenden Probleme im Land: Landraub, Viehdiebstahl, Vertreibungen und Massaker an der Zivilbevölkerung, bei denen häufig Frauen und Kinder die Opfer sind.

In Zusammenarbeit mit der Partnerorganisation Caritas Nyeri kann in der Region von Ol Moran ein wichtiger Beitrag im Versöhnungsprozess geleistet werden. Ziel des Projektes ist es, das friedliche Zusammenleben der verschiedenen Ethnien sowie eine Kultur der Toleranz zu fördern. Dabei sollen vor allem traditionelle Methoden zur Konfliktbewältigung aufgearbeitet und bei Versöhnungsverhandlungen angewandt werden: Im Mittelpunkt steht die Bildung und Stärkung von dorfeigenen Friedensräten, die der Bevölkerung als Schlichtungsstellen dienen.

Mehr als Symptombekämpfung

Die Beispiele aus der Projektarbeit des Fastenopfers in Honduras und Kenia machen deutlich: Kommunikation ist von grosser Bedeutung, wenn es darum geht, in den Ländern des Südens situations- und bedürfnisorientiert auf eine Verbesserung der Lebensbedingungen hin zu wirken. Durch die Verständigung und den Einbezug der PartnerInnen vor Ort können die Projekte nachhaltiger gestaltet werden. Das ist mehr als nur Symptombekämpfung: Denn Kommunikation ist Veränderung. Wer zuhört und versteht, der verändert sich und legt damit den Grundstein für eine hoffnungsvolle Zukunft.


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