Wirtschaft und Krieg sind seit Urzeiten verknüpft miteinander. Auch scheinbar ideologisch bedingte Kriege früherer Zeiten waren von Wirtschaftsinteressen begleitet (z.B. die Kreuzzüge). Besonders ausgeprägt waren diese wirtschaftlichen Interessen im 16. bis 19. Jahrhundert, als sich die damaligen Grossmächte aufmachten, den (ihnen) unbekannten Teil der Erde zu erobern. Während Jahrhunderten jagten sich England, Frankreich und Spanien, aber auch kleinere Staaten wie Belgien, die Niederlande oder Portugal, gegenseitige die Kolonien dann wieder ab. Die vorherrschende Stellung, die Europa und Nordamerika heute in der Welt haben, ist ohne diese kriegerische Bereicherungspolitik kaum denkbar.
Doch, das Thema dieser friZ lautet nicht "Wirtschaft und Krieg", sondern "Wirtschaft und Frieden". Die Beziehungen und Anknüpfungspunkte zwischen den "AnhängerInnen" dieser beiden Begriffe sind gelinde gesagt: jung.
Dass in den vergangenen Jahrzehnten, insbesondere aber in den letzten Jahren, auf Wirtschaftsseite zumindest eine gewisse Veränderung erfolgt ist, was lässt sich mit drei Zitaten aus Texten dieses Thema aufzeigen:
Bis in die 70er und 80er Jahre des letzten Jahrhunderts galt für WirtschaftsvertreterInnen, was der amerikanische Ökonom Milton Friedman salopp in einem Spruch zusammenfasste:
"The Business of business is business"
(etwa: Das Geschäft der Wirtschaft ist das Geschäft").
Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit wurden von ihnen als gute Sache zwar anerkannt und vereinzelt sogar gefördert - aber sie betrafen nie die Wirtschaft selbst, sondern gehörten in die "Politik".
Noch in den 90er Jahren dann konnte Percy Barnevik als Präsident des schwedisch-schweizerischen Multis erklären:
"Ich definiere Globalisierung als die Freiheit unserer Firmengruppe, zu investieren, wo und wann sie will, zu produzieren was sie will, zu kaufen und zu verkaufen, wo sie will, und die Einschränkungen durch Arbeitsrecht und andere politische Regulationsmechanismen so gering als möglich zu halten."
Mittlerweile gilt Barnevik als Inbegriff des schmarotzerischen Managertyps: Trotz permanenter Talfahrt des von ihm geleiteten Unternehmens, bewilligte er sich selbst Jahr für Jahr Sonderbezüge in mehrstelliger Millionenhöhe, die er nach seinem erzwungenen Rücktritt nur widerwillig und teilweise zurückbezahlt.
Im Jahre 2001 - also gut dreissig Jahre nach Friedman - prophezeit Phil Knight, Chef des multinationalen Sportartikelherstellers Nike, hingegen, dass
"die Performance von jedem weltweit tätigen Konzern im 21. Jahrhundert an seinen Auswirkungen auf die Lebensqualität gemessen" werde - "noch mehr als an seinem Wachstum und Gewinn."
Nach einer erfolgreichen NGO-Kampagne gegen die unsozialen Arbeitsbedingungen in etlichen Nike-Zulieferfirmen, sah sich der Konzern 2001 gezwungen, erstmals einen firmeneigenen Sozialreport zu veröffentlichen.
Scheuklappen
Verändert hat sich in den 15 Jahren seit dem Ende der bipolaren Welt aber auch die andere Seite: Eine friedenspolitische Diskussion zwischen VertreterInnen der Friedensbewegung auf der einen Seite und WirtschaftsvertreterInnen auf der anderen Seite führte früher unweigerlich zu gegenseitigem Kopfschütteln über die Position des Gegenübers.
Die fortschreitende Unabhängigkeit der Multinationalen Unternehmen von staatlicher Aufsicht und Vorschriften führt jedoch dazu, dass sie im Bereich der Friedenspolitik zunehmend als dritte Kraft - neben den (über)staatlichen Organen und den Nichtregierungsorganisationen - nicht mehr ignoriert werden dürfen.
Das neue Projekt "Business & Peace" der schweizerischen Friedensstiftung swisspeace untersucht die Schnittstellen zwischen wirtschaftlicher Tätigkeit und Friedensförderung. Das Thema dieser Nummer ist eine Gemeinschaftsproduktion von friZ und swisspeace.
Detlev Bruggmann
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