FriZ - Kolumne aus Nr. 2/2007

Arne Engeli: Mein Friedenstagebuch 2007

9./10. März: Erinnerungen an Danilo Dolci, Sozialreformer in Sizilien

Zum 10. Todesjahr lud der Verein zur Förderung des Werkes von Danilo Dolci zu einem Symposium nach Basel ein. Ich bin Dolci zum ersten Mal 1965 in Partinico (Sizilien) begegnet und habe ihn später wiederholt mit meiner Familie und mit Studiengruppen im Borgo di Dio in Trappeto besucht. Eine faszinierende, beeindruckende Gestalt, die wieder lebendig wurde durch den Vortrag seiner Gedichte, das Musizieren seines Sohnes Amico und durch Zeugnisse seiner Kinder, Freundinnen und Freunde, unter anderen Johan Galtung.
Einige Zitate Dolcis aus meinen Notizen: «Die neue Stadt wird erbaut durch den, der sie zu träumen wagt» (Dolci, der Architekt) – «Erkenne, begreife, handle!» – «Eine wichtige Frage: Wo den Hebel zur Veränderung und Entwicklung ansetzen?» (Dolci baute mit Arbeitslosen und Bauern einen Staudamm zur Bewässerung der Felder und zur demokratischen Verwaltung des Wassers). – «Gegenüber Ausbeutung kann ich nicht neutral sein. Wer schweigt, ist Komplize» (Dolci, der Denunziant der Mafia). – «Erkenne in jedem Menschen das göttliche Embryo.» (Dolci, der Pädagoge). Wichtig war ihm das Gespräch im Kreis, wo jede mit jedem kommunizieren kann und keiner (weder Lehrer noch Politiker) wie eine Spinne die Fäden zieht und alle von sich abhängig macht.

24. April: Familie Morina darf bleiben

Mit grosser Freude lasen wir diese Nachricht im St. Galler Tagblatt. Das kantonale Ausländeramt hatte zuvor die fünfköpfige Familie aus Rorschach zurück in den Kosovo schicken wollen. Halil Morina war 1990 als Saisonnier in die Schweiz gekommen, heiratete eine Schweizerin und liess sich einbürgern. Bald wurde die Ehe geschieden und ihm einige Jahre später wegen vermuteter Scheinehe das Bürgerrecht wieder aberkannt. Inzwischen hatte er eine Asyl suchende Kosovarin geheiratet und mit ihr drei Kinder. Jetzt verlor die ganze Familie Morina, obwohl gut integriert, ihr Aufenthaltsrecht. Sämtliche Rekurse wurden abgewiesen. Dank der Briefe der Klassenkameraden der Kinder, einer Medienkonferenz des Solidaritätsnetzes Ostschweiz, unserer Rorschacher Petition und einem nochmaligen Entscheid des Verwaltungsgerichtes war nun der Kanton aber willens, von der neuen Härtefallregelung Gebrauch zu machen. Diese ermöglicht, dass gut integrierten Personen unabhängig vom Stand des Asylverfahrens eine Aufenthaltsbewilligung B erteilt werden kann.
Sonst sind aus der Ostschweiz ja wenig gute Nachrichten zu hören: Pauschal abgelehnte Einbürgerungsgesuche in Rheineck und Oberriet, Tod von zwei Asylsuchenden in Ausschaffungshaft. «Moderne Hexenjagd» titelte ein Lesebriefschreiber im Tagblatt.

20. Mai: Sumaya Farhat-Naser über Friedens-arbeit in Palästina

Dieses Mal erzählte uns die unermüdliche Friedensaktivistin nicht von der nach 40 Jahren Besetzung ausweglos scheinenden Kriegs- und Krisensituation in Palästina, sondern zeigte uns auf, dass sich Hoffnung auch unter widrigsten Umständen entfalten kann. Mit ihrer Familie baute sie den traditionellen steinernen Turm, der zusammengefallen war, in ihrem Olivenhain wieder kunstgerecht auf. Nachbarn kamen hinzu und liessen sich anstecken, auf ihrem Grunde dasselbe zu tun. Spannend war es, ihr zuzuhören, wie sie in verschiedenen Schulen für den Frieden arbeitet. Sie schlug zum Beispiel vor, mit einer Klasse vor der Matura über Examensängste zu reden – und das Gespräch weitete sich dann von selbst auf andere Aspekte aus. Gebet und der Glaube kamen zur Sprache – und gross war die Überraschung der Muslime, als sie sich als Christin zu erkennen gab, aber auch den jüdischen Glauben mit einbezog und sie über das viele Gemeinsame staunen liess. Im Herbst wird ihr neues Buch erscheinen.

Arne Engeli engagiert sich seit vielen Jahren in der Friedenspolitik, in den 90er Jahren auch als Präsident des Friedensrates. Bis 2001 arbeitete er beim Schweizer Hilfswerk HEKS als Programmbeauftragter für das ehemalige Jugoslawien. Seither im beruflichen Ruhestand, lebt er am Bodensee. Arne Engeli (a.engeli@ switzerland.org) führt an dieser Stelle ein Jahr lang ein Friedenstagebuch für die friZ.


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