FriZ - Thema aus Nr. 1/2008

Auch die friZ blickt zurück: 1968 liegt 40 Jahre zurück. Was bedeutete diese Zahl - die für mehr als nur dieses eine Jahr steht - eigentlich für die Friedensbewegung? Von Detlev Bruggmann

1968 und die Friedensbewegung

Selten war ein Brainstorming der Redaktion so ertragreich wie im vergangenen Oktober, als es um mögliche Beiträge für ein friZ-Thema «1968» ging. Vier Seiten mit Stichworten, Gedanken, Erinnerungen, Namen und Ereignissen waren das Ergebnis einer abendfüllenden Diskussion. Das Problem war also weniger «Was?», sondern eher «Was nicht?». Rasch waren wir uns einig, dass sich die friZ auf die friedenspolitischen Punkte von 1968 konzentrieren solle, um nicht in der zu erwartenden Flut von Rückblicken unterzugehen. Aber auch diese Beschränkung liess immer noch eine ganze Flut von Beiträgen zu: Mit Vietnamkrieg, Prager Frühling und der Ermordung Martin Luther Kings gehörten ja drei der ganz grossen Ereignisse des Jahres 1968 eindeutig zum «Kerngeschäft» der friZ.
Zweites Merkmal der redaktionellen Diskussion war, dass sie von «Nachgeborenen» geführt wurde. Bis auf eine Person waren alle TeilnehmerInnen 1968 noch nicht oder erst seit kurzem auf der Welt. Weshalb wir uns immer wieder fragend zu Ruedi Tobler drehten, dem einzigen Zeitzeugen in der Runde. Irgendwann machte es klick und wir erhoben unsere Unwissenheit zum Konzept: Wir würden eine Handvoll Fragen rund um 1968 und die Friedensbewegung formulieren und für deren Beantwortung dann Autorinnen und Autoren suchen.

Was beschäftigte die «traditionelle» Friedensbewegung 1968?

1968 war der Gartenhof in Zürich fest in der Hand des Service Civil International. Der Schweizerische Friedensrat, friedenspolitische Dachorganisation und später Herausgeber der friZ resp. friedenszeitung, bezog erst vier Jahre später als Untermieter des SCI seine Büros im Ragaz-Haus. Was beschäftigte die Friedensbewegung in diesen Jahren? Antworten darauf haben für uns Ginevra Signer und Peter Weishaupt gesucht, die beide in den 60er Jahren politisiert wurden und seither in wechselnden Zusammenhängen friedenspolitisch aktiv waren (S. 10).
Wie es vom ersten, «harmlosen» Ostermarsch 1958 in Aldermaston (England) zu den zuweilen gewalttätigen Antikriegs-Protesten des '68 kam, schildert anschliessend der Journalist Hans Steiger in seinen persönlichen Erinnerungen (S. 16).
Eine weitere Frage lautete: Warum entstand aus der breiten Protestbewegung gegen den Vietnamkrieg keine grosse pazifistische Bewegung? Gleich vorneweg, eine den Rahmen der friZ nicht sprengende Antwort darauf haben wir nicht gefunden. Vermutlich war dabei aber die Ermordung von Martin Luther King im April 1968 ein entscheidendes Ereignis: Ueli Wildberger schildert auf S. 20 das Leben und Wirken des amerikanischen Bürgerrechtlers, der wie kein anderer zuvor oder danach die Ideen Gandhis in der Realpolitik der industrialisierten Welt umgesetzt hat.

Waren die Menschenrechte 1968 ein Thema?

Beim Stichwort «Menschenrechte» glaubten wir, dass diese 1968 kaum Thema gewesen seien - Kampf um Gleichberechtigung der Schwarzen hin, Frauenbefreiungsbewegung her. Jost A. Fanzuns Artikel (S. 26) zeigt aber, dass nicht nur 1968 das erste Uno-Jahr der Menschenrechte war, sondern in diese Zeit auch die zarten Anfänge der Schweizer Menschenrechtspolitik fallen. 20 Jahre nach Ende des 2. Weltkriegs begann sich die aussenpolitische Insel Schweiz damals der Welt vorsichtig zu öffnen.
Weitere Fragen, die wir uns gestellt haben, für die wir aber keine Antort mehr gefunden oder aus Platzgründen gar nicht erst gesucht haben:

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