friZ - Editorial aus Nr. 3/2008

Liebe Leserinnen, liebe Leser

Während sich die Produktion dieser friZ immer mehr verspätete, spitzte sich parallel dazu rund um den Globus die so genannte Finanzkrise laufend zu. (Mehr Zusammenhang zwischen diesen beiden Dingen gibt es nicht, für die Verspätung entschuldigen wir uns aber an dieser Stelle.) Frühere Varianten solcher Erschütterungen des weltweiten Finanzsystems führten zwar ebenfalls oft zu heftigen polemischen Reaktionen (Untergang des Kapitalismus, Platzen der Blase etc), dann hatte es sich aber meist. Diesmal scheinen die Regierungen der führenden Industrienationen nicht bloss zuschauen zu wollen, wie die Welt in die Wirtschaftskrise schlittert. Vier Billionen Franken (das sind 4000 Milliarden) haben allein die USA, EU und Russland Mitte Oktober für den Aufkauf von Aktien maroder Banken in Aussicht gestellt. Soviel Verstaatlichung in so kurzer Zeit, das haben auch die grossen liberalen Feindbilder Hugo Chavez und Fidel Castro nur in ihren besten Zeiten geschafft...
In einem Monat wählt die grösste Industrienation ihren neuen Präsidenten (eine Präsidentin wird's auch diesmal nicht). Dann wird sich zeigen, ob die zurzeit geäusserten Rufe, es müsse endlich etwas geschehen zur global koordinierten Regulierung des Finanzmarktes mehr sind als bloss weitere Seifenblasen: Wunderschön, aber wirkungslos. Die Bedeutung, die ein gerechteres Finanzsystem, für ein friedlichere Zusammenleben weltweit hätte, kann kaum überschätzt werden.

Detlev Bruggmann

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