friZ 3/2008

1963 wurde die Organisation für Afrikanische Einheit OAU gegründet, aus der 2002 die Afrikanische Union AU wurde. Beide Organisationen verfolgen und verfolgten das Ziel der Stärkung von Einheit und Solidarität unter den afrikanischen Staaten. Wo steht diese Idee heute?

Zusammenarbeit in Afrika

Der Organisation für Afrikanische Einheit OAU haftet ein schlechter Ruf an: als Klub der Schwätzer und Zauderer; als Zusammenschluss afrikanischer Potentaten und Diktatoren, nicht zuletzt mit dem Ziel des gegenseitigen Schutzes vor Strafverfolgung Nichts desto trotz konnte die OAU auch einige Erfolge aufweisen:

Einheit ist Afrikas Heilige Kuh

Mit der Gründung der Afrikanischen Union AU im Juli 2002 wollen die afrikanischen Staaten jetzt einen Schritt vorwärts gehen in den Bemühungen um die Einheit des Kontinents. Einheit sei gewissermassen Afrikas Heilige Kuh, schreibt Ruedi Küng, Afrikakorrespondent von Radio DRS, in seinem Artikel über die aktuelle politische Zusammenarbeit in Afrika (S. 14ff). Bereits vor der OAU hatten sich viele Vorkämpfer gegen koloniale Unterdrückung und Herrschaft auf den Pan-Afrikanismus berufen, dessen Ziel die Überwindung der (kolonialen) Nationalstaatlichkeit ist (s. Randspalte). Die guten Vorsätze der Afrikanischen Union sind für Ruedi Küng sichtbar, doch ihre Umsetzung werde noch einige Zeit brauchen.

Regionale Zusammenarbeit

Am weitesten fortgeschritten ist die politische Zusammenarbeit in Afrika auf regionaler Ebene. Nur schon auf zwischenstaatlicher Ebene gibt es sich zwei Dutzend Organisationen, die sich mit politischen, wirtschaftlichen oder kulturellen Themen befassen. Eine kleine Auswahl afrikanischer Regionalorganisationen finden Sie auf den Seiten 18 und 19.

Migration ist ein afrikanisches Thema...

Entgegen der landläufigen Meinung ist Migration in erster Linie ein afrikanisches Thema. Nicht die Industriestaaten werden von Flüchtlingsströmen bedrängt, sondern Länder, deren Lebensstandards weit unter dem unseren liegt. Laut UNHCR lebten 2007 von weltweit 11,4 Millionen Flüchtlingen knapp 5 Millionen in Afrika und im Mittleren Osten, davon allein 2,3 Millionen südlich der Sahara. Weshalb es in Südafrika dieses Jahr zu heftiger Gewalt gegen MigrantInnen aus den umliegenden Ländern kam, erklären zwei südafrikanische Experten auf Seite 20.

... Wasser ein anderes

Ein Beispiel für eine erfolgreiche politische Zusammenarbeit auch unter schwierigen Bedingungen ist die Nilbecken-Initiative. Diese regionale Kooperation ist seit bald zehn Jahren daran, das Problem der Wasserverteilung unter den Nilanliegerstaaten mit friedlichen Mitteln zu regeln. Simon Mason von der ETH Zürich verfolgt die Nilbecken-Initiative seit ihrer Gründung 1999 und schildert auf Seite 22 das bisher Erreichte.


Panafrikanismus

Der Begriff Panafrikanismus stammt aus dem Griechischen und bedeutet soviel wie «Ganz Afrika» oder «Alle AfrikanerInnen umfassend». Dahinter steht der Wunsch, alle schwarzafrikanischen Menschen, deren Vorfahren durch den Sklavenhandel mit Gewalt aus Afrika weggebracht wurden und nun in den USA, in der Karibik, in Lateinamerika und Teilen des Mittleren Ostens und Südasiens leben, zu vereinen.
Der moderne Panafrikanismus nahm seinen Anfang Ende des 19. Jahrhunderts nicht in Afrika, sondern in der Karibik. 1897 Jahren gründete Henry Sylvester-Williams in London «The African Association», die er später in «Pan African Association» umbenannte. Im Juli 1900 berief der gebürtige Trinidader Anwalt und Politiker die erste panafrikanische Konferenz ein, an der «Männer und Frauen von afrikanischem Blut und afrikanischer Herkunft» aus West und Südafrika, der Karibik und aus den USA teilnahmen. Von grösster Bedeutung waren dann die fünf Panafrikanischen Konferenzen, die der US-amerikanische Historiker und Bürgerrechtler W.E.B. Du Bois nach 1919 organisierte. Deren Resolutionen gegen Rassismus und Imperialismus wurden erstmals auch in den Kolonialländern wahrgenommen. Mit der Unabhängigkeitserklärung zahlreicher afrikanischer Staaten flammte die panafrikanische Idee auf dem ganzen Kontinent anfangs 1960er Jahre noch einmal für kurze Zeit auf, bevor sie sich dann zunehmend auf die gemeinsame Bekämpfung der Apartheid im südlichen Afrika beschränkte.
Zu den bekanntesten PanafrikanistInnen gehören ausserdem: Marcus Garvey, Kwame Nkrumah, Jomo, Kenyatta, Julius Nyerere, Fela Kuti, Malcolm X, Steve Biko, Patrice Lumumba, Bob Marley, M.L. King, Nelson Mandela, Muammar al-Gaddhafi

Quelle: Wikipedia

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