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Wer sich in der Schweiz auf die Suche nach PolitikerInnen macht, welche die Idee von einer "umfassenden Sicherheitspolitik" wirklich ernst nehmen, stösst unweigerlich auf den Namen Barbara Haering.

In die Friedenspolitik sei sie eigentlich zweimal in ihrem Leben eingestiegen, verrät die Nationalrätin. Das erste Mal anfangs der 70er Jahre: "Mich haben damals der Vietnam-Krieg und die weltweiten Proteste dagegen politisiert." Da Barbara Haering in Kanada geboren wurde und erst mit sechs Jahren in die Schweiz kam, ist ihr ein starkes Interesse für Nordamerika geblieben. Ihr erstes friedenspolitisches Engagement blieb aber vorerst aufs Private beschränkt. 1974 zog Barbara Haering von Zürich ins benachbarte Adliswil, trat der SP bei und war in der Folge vor allem lokalpolitisch aktiv: "Für mein politisches Engagement waren der Ort, meine Umgebung immer wichtiger als bestimmte Themen."

1979, mitten in der Endphase ihres Nachdiplomstudiums der Umweltwissenschafen an der ETH, wurde Barbara Haering mit 25 Jahren in den Zürcher Kantonsrat gewählt, wo sie sich vornehmlich mit Raumplanung und Finanzen befasste. Als sie 1980 in die Stadt Zürich zurückzog, stand für sie schon bald fest, dass sie bei den nächsten Wahlen nicht mehr antreten würde: "Ich hätte meinen Sitz in einem anderen Wahlkreis gegen Bisherige verteidigen müssen. Ausserdem hatte ich das Gefühl, in diesen vier Jahren alles gesagt zu haben, was ich damals politisch zu sagen hatte." In der Politik war Barbara Haering in den folgenden Jahren vor allem innerhalb der SP aktiv: 1982 wurde sie als Sekretärin der Stadtzürcher Partei gewählt und blieb dies bis zur Geburt ihrer Tochter Anja im Jahr 1987.

Ihren zweiten Einstieg in die Friedenspolitik machte Barbara Haering dann als Nationalrätin: 1990 war sie für die zurücktretende Doris Morf nachgerutscht und ein Jahr später mühelos wiedergewählt worden. In Bern nahm sie u.a. Einsitz in der damals noch nicht ständig tagenden "Sicherheitskommission" der grossen Kammer: "Mein erstes wichtiges Geschäft war die Behandlung des ‘Sicherheitsberichtes 90‘, zu dem ich den Ablehnungsantrag der SP vertrat. Es war die Zeit kurz nach der GSoA-Abstimmung, der Zweite Golfkrieg war in vollem Gange und ich lernte mich als ‘Neue‘ in der eigenen Fraktion in sicherheitspolitischen Fragen durchzusetzen." Barbara Haerings damaliges Auftreten sowie ihr Engagement im bald darauf beginnenden Tauziehen um die F/A-18-Beschaffung brachten ihren Zürcher Nationalrats- kollegen Hansjörg Braunschweig 1992 auf eine Idee: Ob sie nicht Lust hätte, das Präsidium der "Arbeitsgemeinschaft für Rüstungskontrolle und ein Waffenausfuhrverbot" (ARW) zu übernehmen? Barbara Haering sagte Ja, und die parlamentarisch tätige Sicherheitspolitikerin wurde praktisch von einem Tag auf den anderen zu einer kaum mehr wegdenkbaren Persönlichkeit der ausserparlamentarisch aktiven Friedensbewegung der Schweiz.

Heute betreut Barbara Haering zusätzlich zu ihrem Nationalratsmandat und dem ARW-Präsidium auch die "Friedenspolitischen Initiativen", das Nachfolgeprojekt der 1995 für ungültig erklärten Halbierungs-Initiative. Gleichzeitig ist sie Mitglied der Begleitgruppe der cfd-Frauenstelle für Friedenspolitik in Zürich. Und dies alles erledigt sie neben ihrem eigentlichen Beruf als Umweltwissenschafterin. Wer denkt, dieser Teil im Leben von Barbara Haering müsse zu kurz kommen, täuscht sich: Von 1986 bis 1993 arbeitete Barbara Haering im Umwelt-Büro "Infras"; anschliessend machte sie sich wieder hinter ihre Mitte der 80er Jahre auf Eis gelegte Dissertation, die sie 1996 erfolgreich abschloss. Nach dem darauf folgenden Jahr als Generalsekretärin der SP Schweiz übernahm Barbara Haering im April 1998 zusammen mit einem Partner und den MitarbeiterInnen unter dem neuen Namen "econcept" die Firma von Elmar Ledergerber, der soeben in den Zürcher Stadtrat gewählt worden war. Was zur Folge hat, dass sie heute auch im Beruf mehr Verantwortung und Arbeit als je zuvor zu bewältigen hat.

Wie schafft sie das alles? Barbara Haering lacht, denkt kurz nach und nennt dann zwei Voraussetzungen für ihre manchmal unerschöpflich wirkenden Kapazitäten: "Ich bin gut im Organisieren und ich kann schnell und flexibel zwischen meinen verschiedenen Aufgaben hin und her wechseln. Und ich achte immer darauf, dass sich meine verschiedenen Aufgaben ergänzen und überschneiden: Die Geschäfte der Sicherheitspolitischen Kommission des Nationalrats z.B. drehen sich immer wieder um Themen, auf die ich auch bei der ARW oder der cfd-Frauenstelle stosse."

Ein weiterer wichtiger Grund dafür, dass Barbara Haering auch nach 25 Jahren Politik kein bisschen ausgelaugt wirkt, liegt in ihrer Wissbegierde: "Solange ich dabei etwas lernen kann, werde ich mich immer wieder aufs Neue engagieren." Eine solche "neue" Türe im Bereich der Sicherheitspolitik hat sie vor wenigen Wochen aufgestossen: Im Juli wählte das OSZE-Parlament Barbara Haering in Petersburg zu seiner Berichterstatterin für den Bereich "Wirtschaft, Wissenschaft und Umwelt". Nur – völlig neu sind diese Themen für Barbara Haering natürlich nicht: Umwelt ist ihr Beruf. Mit wirtschaftlichen Fragen musste sich die Raumplanungsexpertin bereits in ihrer Dissertation auseinandersetzen. Und die Themen Wissenschaft und Bildung kennt sie nicht erst seit ihrer Zeit als Präsidentin der nationalrätlichen Kommission "Wissenschaft, Bildung und Kultur" aus dem Effeff – seit 1998 ist Barbara Haering auch Mitglied des neugeschaffenen Universitätsrates des Kantons Zürich.

(db)

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