Nach dem ersten Tag mit Anmeldung und Eröffnungssitzung stand die Woche im Zeichen der verschiedensten Workshops. Die Sitzungen waren thematisch nach den vier Hauptthemen (Abrüstung/Vermeidung & Lösung von gewalttätigen Konflikten/Internationales Menschenrecht/Wurzeln des Krieges und Friedenskultur) aufgeteilt. In diesen Panels folgten zunächst die Referate der ExpertInnen, in welchen sie jeweils die Problematik vorstellten; eine weitere Stunde war dann der Diskussion gewidmet, die immer eifrig genutzt wurde, so dass die Runde meistens Überstunden machte. Das Angebot dieser Diskussionsrunden war überwältigend, differenziert und anspruchsvoll und für diejenigen welche möglichst Vieles besuchen wollten äusserst anstrengend. Es gab Vorträge zu Themen wie "Detraumatisierung von Kriegskindern", "Frauen weisen den Weg zum Frieden", "Geschlechterspezifische Gewalt" und die "Rolle der Medien", um nur einige zu nennen. Jedes Mal entstanden Diskussionen, die mehr Fragen aufwarfen als Antworten gaben; damit war zu rechnen gewesen, doch dies machte die Diskussionen nicht weniger interessant.
Am Ende dieser langen Tage konnten sich die TeilnehmerInnen bei verschiedensten kulturellen Anlässen (Filmen, Theater, Musik) einen Ausgleich holen. Nicht, dass diese Anlässe weniger intensiv waren: Der Film etwa über die südafrikanische Wahrheits- und Versöhnungskommission war ebenso beeindruckend wie eine Tagessitzung.
Der Slogan "We can make a difference" war wie ein Mantra in aller Munde; es war die selbstverständliche Überzeugung aller TeilnehmerInnen. Alle gaben sich Mühe, diesen Glauben umzusetzen, und neben dem Meinungsaustausch wurden zum Beispiel auch Kampagnen gestartet. Unter anderen wird die Agenda for Peace and Justice for the 21st Century der UNO zur Unterschrift unterbreitet (siehe dazu den Text von Claudio Habicht auf Seite 20).
Grossen Wert massen die OrganisatorInnen der Eröffnungs- und Schlusssitzung bei. Hier waren die Berühmtheiten anwesend, die Schlagzeilen machten. Obwohl alle sichtlich und hörbar stolz waren auf die Tatsache, dass dieser Friedenskongress ausschliesslich von NGO zustande gebracht worden war und immer wieder betont wurde, dass nur die kleinen Leute die Mächtigen zu etwas bewegen könnten, so wurde in diesen zwei langen Sitzungen nicht auf UN-Generalsekretär Kofi Anan oder die jordanische Königin Nur verzichtet. Diese Sessionen waren aber nicht einmal allen Teilnehmenden zugänglich: die meisten von uns mussten mit grossen Bildschirmen vorlieb nehmen.
Es wurde versucht, diese Sitzungen so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten, Kinder, Musikgruppen und SängerInnen waren eingeladen worden; es wurde sehr auf ein nicht-europa/nicht-USA-zentristisches Programm geachtet, in welchem für einmal die Frauen dominierten. Die Forderungen, die in den Reden gestellt wurden, konnten wir selbstverständlich alle unterschreiben. Sie waren so voraussehbar wie langweilig.
Ganz anders die täglichen Begegungen: Das Spannendste an der Konferenz war Menschen aus den verschiedensten Kulturen versammelt zu sehen. Ich habe nie zuvor mit einem buddhistischen Mönch gefrühstückt oder mit einer Ärztin aus Tschetschenien diskutiert. Man kam mit so vielen Forderungen und vergessenen Kriegen in Berührung, dass kaum Zeit blieb zu atmen. Die Bilder von minenzerfetzten Körpern oder vom atomzerstörten Hiroshima nahmen einem die Sprache, in manch einem Gespräch konnte man nur schweigen. Trotz des erzählten Leides war es gut, diese engagierten Menschen zu sehen, die die Reise wert waren dazu hätte ich keine kameraumflirrte Königin gebraucht.
*Nicole Billeter ist freiwillige Mitarbeiterin der FriZ-Redaktion| Inhaltsübersicht | nächster Artikel |
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